Hands of Venezuela!

Rede anlässlich der Spontankundgebung am Sonntag 4. Januar in Bern.

Mit aller Kraft verurteilen wir die US-imperialistische Regierung unter Trump für die militärische Intervention rund um die venezolanische Hauptstadt Caracas und die offenkundig illegale Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und seiner Ehefrau Cilia Flores. Die Entführung eines souveränen Staatsoberhauptes stellt einen Akt imperialer Gesetzlosigkeit dar, der in der Geschichte kaum Präzedenzfälle hat. Nach dem Putschversuch 2002 und der Entführung des damaligen Präsidenten H. Chavez ist das allerdings nicht ganz neu. Damals hat die US-Regierung allerdings über Mittelsmänner und nicht direkt agiert.

In der Nacht auf Samstag, 3. Januar 2026, wurde die Hauptstadt Caracas nach US-Luftangriffen von mehreren Explosionen erschüttert.
Sie bombardierten einen Luftwaffenstützpunkt, den Hafen, Wohnviertel in ganz Caracas sowie militärische und zivile Einrichtungen in den Bundesstaaten Miranda, Aragua und La Guaira. Aus US-Hubschraubern abgefeuerte Raketen töteten Militärangehörige und Zivilist:innen, ließen ganze Stadtviertel ohne Strom zurück und terrorisierten das venezolanische Volk. Neben dem direkten Angriff auf den souveränen Staat Venezuela, seine Bevölkerung und das Selbstbestimmungsrecht, zielt dieser Angriff auch explizit auf die Zerstörung der sozialistischen Insel Kuba.

Die USA haben seit langem schamlos ihre Absicht erklärt, einen „Regimewechsel“ in Venezuela herbeizuführen. Seit vielen Jahren unterwirft sie das Land lähmenden Wirtschaftssanktionen, Sabotage, diplomatischem Druck und offenen Drohungen mit militärischer Intervention. Der bewaffnete US-Überfall ist eine unverhohlene Verletzung der Souveränität Venezuelas. Er wurde unter dem falschen Vorwand der Führung eines Krieges gegen den Drogenhandel durchgeführt. Es ist offensichtlich, dass die USA versuchen, ihre Hegemonie auf der gesamten westlichen Hemisphäre gewaltsam durchzusetzen und die koloniale Monroe-Doktrin wiederzubeleben.
Die US-Imperialisten hoffen, den Willen des venezolanischen Volkes zu brechen und Venezuelas Bestehen auf nationale Souveränität zu unterdrücken.

Ohne ein grundlegendes Verständnis der Mechanismen der imperialen Akkumulation auf globaler Ebene ist es unmöglich, eine kohärente Strategie auf nationaler Ebene zu formulieren und zu verstehen, was durch die Bedrohung von nationaler Souveränität durch das imperialistische Projekt auf dem Spiel steht.

Der Imperialismus bezieht sich auf die souveräne Kontrolle über den Kapitalfluss zwischen Territorien. Was für den Imperialismus unter dem Kapitalismus wirklich entscheidend ist, ist die souveräne Macht über das Kapital, die souveräne Macht über den Fluss von Kapital zwischen Territorien. Denn ohne diese souveräne Macht bleibt ein Land, auch bei formaler Unabhängigkeit, vom imperialen Zentrum abhängig. Diese Abhängigkeit reproduziert stets die Bedingungen, unter denen Wert aus dem Territorium abgezogen werden kann.

Gestern erklärte Trump klar und deutlich, dass es darum gehe, sich Zugang zu den riesigen Erdölvorkommnissen in der Region zu verschaffen. Es soll US-Konzernen den vollen Zugriff auf die gewaltigen Ölreserven des Landes (die größten der Welt) ermöglichen und insgesamt die Kontrolle über alle strategischen natürlichen Ressourcen der Region, einschließlich kritischer Mineralien und Seltener Erden garantieren. Der militärische Angriff ist nur die äußerste, gewaltsame Eskalation eines kontinuierlichen Prozesses der Destabilisierung. Die Definitionsmacht über Realität, Legitimität und Moral darf nicht dem Aggressor überlassen bleiben, der diese nutzt, um seine politischen und materiellen Interessen durchzusetzen.

Der Medienapparat, ein integraler Bestandteil der imperialistischen Logik, schafft – wie beim laufenden Genozid in Gaza – bewusst Zustimmung für imperialistische Kriege. Der moderne Imperialismus zielt darauf ab, Gesellschaften in nicht regierbare, profitable Krisengebiete zu verwandeln, anstatt sie einfach zu kolonisieren.

Der bewaffnete Angriff auf Venezuela ist kein isoliertes Ereignis. Es ist der nächste Schritt in der Kampagne der USA für einen Regimewechsel, die sich von Caracas bis Havanna erstreckt – und ein Angriff auf das Prinzip der souveränen Gleichheit selbst sowie auf die Aussichten für die einst von der Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten etablierte Friedenszone. Diese erneute Erklärung der Straflosigkeit aus Washington ist eine Bedrohung für alle Nationen weltweit.

In diesem Moment klarer, akuter und eskalierender Gewalt gegen das Volk Venezuelas bedeutet Schweigen Komplizenschaft. Die Verbündeten der USA, so auch die Schweiz, machen sich jedes Mal zu Komplizen der USA. Es ist unsere Verantwortung, diese Komplizenschaft klar zu benennen. Der antiimperialistische Kampf für die Freiheit aller unterdrückten, ist unumgänglich.

Die bolivarische Regierung ruft alle sozialen und politischen Kräfte des Landes dazu auf, Mobilisierungspläne zu aktivieren und diesen imperialistischen Angriff zurückzuweisen. Alle Völker Venezuelas stehen seit jeher hinter der bolivarischen Republik und die Verteidigung ihrer Würde. Diese Standhaftigkeit braucht es auch hier. Die PdAS verlangt die Anerkennung des Selbstbestimmungsrechts und verurteilt alle Massnahmen, die sich gegen die Unabhängigkeit Venezuelas richten.

Der Hauptfeind steht im eigenen Land. Solange der US Imperialismus und ihre Kollaborateure, welche auch hier in der Schweiz agieren, nicht als Hauptfeind bekämpft werden, wird es weder für die unterdrückten Völker, noch für jeden einzelnen von uns Frieden geben. Die PdAS steht solidarisch an der Seite der Bolivarischen Revolution, an der Seite des Volkes von Venezuela und an der Seite aller in der Region, die sich einer Zukunft verweigern, die von fremder Herrschaft und imperialer Plünderung bestimmt ist.

Wir fordern die sofortige Verurteilung dieser völkerrechtswidrigen Aggression und eine entschlossene Haltung gegen imperialistische Interventionen in Lateinamerika und allen Ländern des globalen Südens. Der Widerstand gegen den US-geführten Imperialismus ist keine Frage der Wahl oder Mässigung, sondern eine dringende historische Notwendigkeit. Für eine starke, organisierte internationale Solidarität.