Abbau von Bernmobil Billettautomaten

Stadtrat Bern
Kleine Anfrage: Raffael Joggi (AL), David Böhner (AL), Matteo Micieli, (PdA)
Tobias Sennhauser (TIF) Mitunterzeichnende/r

Der Gemeinderat wird um Beantwortung folgender Fragen gebeten:

  1. Wie beurteilt der Gemeinderat die teils erheblichen Auswirkungen, die der Abbau von über 60 Billettautomaten von Bernmobil für Menschen ohne Smartphone haben?
  2. Teilt der Gemeinderat die Einschätzung von Bernmobil, dass
    a. Haltestellen, wie bspw. ‘Gewerbeschule’, eine der „letzten Stationen stadtauswärts“1 darstellen?
    b. es „im Umkreis von 50 Metern mit Bargeld“2 einer jeden Haltestelle ein Billett zu kaufen gibt – ohne dabei Zebrastreifen, mehrspurige Strassen, Ampeln usw. zu berücksichtigen – hinreichend für einen Abbau ist?
  3. Wie steht der Gemeinderat dazu, dass Bernmobil mit dem Abbau, bspw. für Schulkinder, die Tram oder Bus fahren, ein faktisches Smartphoneobligatorium einführt?
  4. Wurde beim Abbau der Einsatz von Stempelkartenentwertern als Ersatz geprüft?
  5. Ist der Gemeinderat bereit sich für eine Überprüfung des Abbaus der Billettautomaten und allfälliger Rücknahme bei Bernmobil einzusetzen?

Begründung:

Bernmobil hat aus seinem Haltestellennetz über 60 Billettautomaten entfernen lassen. Gemäss eigenen Angaben handelt es sich dabei um wenig frequentierte „letzte Stationen stadtauswärts“ und nur so, dass „es weiterhin an jeder Haltestelle möglich [ist], im Umkreis von 50 Metern mit Bargeld ein ausgedrucktes Ticket zu kaufen.“ Aus betriebswirtschaftlicher Sicht mag das Vorgehen von Bernmobil nachvollziehbar sein: Bargeldautomaten müssen befüllt und gepflegt werden. Dabei entstehen Kosten. Aus (sozial-)politischer Sicht7 sieht es anders aus. Wie soll Menschen, die gerade kein Smartphone bei sich haben bzw. keines haben oder wollen, erklärt werden, dass sie neu bspw. eine vierspurige Strasse mit zwei Bus-geschalteten Ampeln queren müssen, um ein Billett kaufen zu können? Wie sollen Schulkinder begreifen, dass sie allenfalls ihr Smartphone nicht mehr mit in die Schule bringen dürfen, aber es dennoch mitnehmen müssen, nur um dorthin fahren zu können? Es geht nicht an, hier faktisch eine Smartphonepflicht im öffentlichen Verkehr einzuführen. Allgemein gilt, in der Stadt Bern den öffentlichen Verkehr zu benutzen, sollte so niederschwellig wie möglich sein. Es ist somit nicht nachvollziehbar, wie der Gemeinderat erwartete finanzielle Einsparungen gegenüber städtischer Mobilität, als Grundversorgung, abwägt.

1 https://www.derbund.ch/bernmobil-konsumentenschutz-kritisiert-abbau-der-automaten- 874297837479
2 ibid.

 

12. Juni 2025