Damit die Kulturfabrik eine Kulturfabrik bleibt

Stadtrat Biel
Dringliches Postulat Kulturfabrik: Peter Heiniger (PdA), Christophe Schiess und Manuel Stöcker (Fraktion Les Vert.e.s / Grüne)

Wir bitten den Gemeinderat, Lösungen zu prüfen, um den derzeitigen Mieter*innen der Kulturfabrik kurz- und langfristig eine Perspektive im Gebäude der Kulturfabrik selbst zu bieten. Wir bitten ihn insbesondere, folgende Ansätze zu prüfen:

Kurzfristig:

1. Ermittlung dessen, was unbedingt notwendig ist, um rasch die Nutzbarkeit und Sicherheit eines möglichst grossen Teils der Räumlichkeiten des Gebäudes für eine vorübergehende Nutzung zu gewährleisten (Anpassung der Elektroinstallationen, Brandschutzmassnahmen, allfällige Nutzungsbeschränkungen usw.).

Langfristig:

2. Nach der nachhaltigen Sanierung des Gebäudes dafür sorgen, dass die derzeitige Bestimmung des Gebäudes erhalten bleibt: ein Arbeitsinstrument für die Bieler Kulturakteurinnen und -akteure zu sein, ein prägender Raum für das künstlerische Schaffen und Arbeiten in Biel, der es sehr unterschiedlichen Projekten ermöglicht, nebeneinander zu bestehen und sich zu entwickeln, ein Ort, an dem Verbindungen geknüpft und Synergien entwickelt werden. 1

3. Das bedeutet, dass das Gebäude nach seiner Sanierung den Bieler Kulturschaffenden wieder zur Verfügung gestellt werden muss:
• durch Vermietung (wie derzeit)
• durch Übertragung im Baurecht an eine Trägerschaft (Stiftung, Genossenschaft…). In jedem Fall ist darauf zu achten, dass die Kosten für die Sanierung vom derzeitigen Eigentümer zu tragen sind – aufgrund seiner Verantwortung für die mangelnde Instandhaltung des Gebäudes – und dass dies keine nennenswerten Auswirkungen auf die künftigen Mietbedingungen hat.

Begründung der Dringlichkeit

Das Gebäude der Kulturfabrik muss aus Sicherheitsgründen am 30. Juni 2026 geschlossen werden. Es gilt, bereits jetzt Übergangslösungen zu finden, aber auch den betroffenen Personen und Organisationen so schnell wie möglich – daher die erforderliche Dringlichkeit – nachhaltige Perspektiven aufzuzeigen.

Begründung zu Punkt 1: Wenn die Sicherheitsgründe, die die Schließung des Gebäudes erfordern, absolut zwingend waren, warum wurde dann eine weitere Nutzung von drei Monaten (bis zum 1. Juli 2026) zugelassen, anstatt eine sofortige Schließung zu beschließen? Dies lässt vermuten, dass eine 1 Argumentation, die in der Pressemitteilung der Mieter der KuFa vom 27. März 2026 dargelegt wurde Anpassung möglich ist, während gleichzeitig eine fortgesetzte (wenn auch teilweise) Nutzung des Gebäudes gewährleistet bleibt. Allgemeine Begründung Die Stadt Biel rühmt sich gerne ihres reichen kulturellen Lebens: «Mit über 30 Institutionen, Theatern, Konzertsälen, Museen und einer lebendigen alternativen Szene bietet Biel ein kulturelles Angebot für jeden Geschmack», heisst es auf der Website der Stadt 2. In diesem Mosaik spielt die Kulturfabrik eine entscheidende Rolle: Seit 40 Jahren ist es ein Ort der Verankerung und der Arbeit für Menschen und Organisationen, deren Aktivitäten einen weithin anerkannten künstlerischen, pädagogischen und wirtschaftlichen Wert haben und die zum kulturellen Leben unserer Stadt sowie zu deren Ausstrahlung in unserer Region und weit darüber hinaus beitragen (zum Beispiel: Das Theaterzentrum für junges Publikum „La Grenouille“, Atelier 6/15, Ear we are, Puts Marie, Joyful Noise sowie zahlreiche weitere Werkstätten und Kulturschaffende. Der Theatersaal von La Grenouille in der Kulturfabrik ist einer der wenigen (wenn nicht sogar der einzige) Probenräume für darstellende Künste in der Stadt – abgesehen von denen des Tobs – und wird auch von zahlreichen Ensembles und Künstlern der unabhängigen Szene für ihre Arbeit genutzt.) Wir sind überzeugt, dass es unerlässlich ist, das an diesem einzigartigen Ort geduldig aufgebaute Netzwerk nicht zu zerstören. Dieses Netzwerk schafft Synergien und ermöglicht den unverzichtbaren kreativen Austausch. In seinem Bericht an den Stadtrat vom vergangenen Dezember (Antworten auf die Postulate 20230187 und 20240243) legt der Stadtrat seine strategischen Überlegungen zur Kulturpolitik dar. Er erkennt die grosse Bedeutung der unabhängigen Kulturszene an. Darin wird auch ins Auge gefasst, die Zusammenarbeit zwischen unabhängigen Akteuren und kulturellen Institutionen zu stärken, um «die Bieler Kultur zu beleben».

Ein Ort wie die Kulturfabrik – die sowohl unabhängige Kulturschaffende als auch Institutionen beherbergt – fügt sich perfekt in eine solche Dynamik ein. Unter den zehn grössten Städten der Schweiz weist Biel die niedrigsten Kulturausgaben pro Einwohner auf 3. Umso wichtiger ist es, dass das Engagement der Stadt – durch die Bereitstellung von Arbeits- und Schaffensräumen wie der Kulturfabrik zu guten Konditionen – zumindest beibehalten wird.

Biel, 23. April 2026

1 Argument, das in der Pressemitteilung der Mieter der KuFa vom 27. März 2026 dargelegt wurde
2 https://www.biel-bienne.ch/fr/arts-culture.html/442 (besucht am 27. März 2026)
3 https://www.bfs.admin.ch/bfs/fr/home/statistiques/culture-medias-societe-information-sport/culture/financement/ public/cantons-communes.assetdetail.35887711.html (besucht am 13. April 2026)