ROTGRÜNES MANIFEST GEGEN DIE ÜBERBAUUNG VIERERFELD


«140 000 Einwohner ist ein Ziel, das wir nicht überschreiten sollten. Sonst geht das Wachstum unter anderem auf Kosten von Naherholungsgebieten » (Stadtpräsident Alexander Tschäppät 2012 bei einem Bevölkerungsstand von 135’000 («Bund» 04. 05. 2012)).
Heute haben wir bereits die Schwelle von140’000 Einwohnerinnen und Einwohnern überschritten.

Aus Besorgnis, dass unter rotgrüner Führung und unter dem Einfluss der Bau-Lobby eines der letzten Grüngebiete der Stadt zerstört und mit teuren, für die meisten von uns unbezahlbaren Wohnungen überbaut werden soll, rufen wir dazu auf, am 5. Juni 2 x Nein zu den Vorlagen Viererfeld- und Mittelfeld zu stimmen.

 

Acht Gründe sind für uns wegweisend:


1. Eine attraktive Stadt lebt von der Vielfalt, die sich aus Gebäudearchitektur und unüberbauten Räumen (Plätze, Pärke) ergibt. Wir wollen keinen Siedlungsbrei. Niemand käme auf die Idee, in New York den Central Park oder in London den Hyde Park zu überbauen, obwohl diese auch «bestens durch den ÖV erschlossen » sind und sich «in bester zentraler Wohnlage» befinden.

2. Die Bau-Lobby lockt mit Investitionen von 1 Milliarde Franken. Nicht inbegriffen die Landkosten. Wir rechnen: Das macht bei ca. 1100 geplanten Wohnungen (Viererfeld & Mittelfeld) allein Kapitalkosten von gegen 1 Million Franken pro Wohnung. Zusammen mit den Betriebskosten ein Mietzins von monatlich weit über 3000 Franken! Alle Anträge von GrünLinks, auch wirklich preisgünstige bezahlbare Wohnungen zu bauen, wurden im Stadtrat abgeschmettert. Der freisinnige Finanzdirektor will einzig, dass es «in der Stadtkasse klimpert». Warum sollen wir ihm bei dieser unsozialen Politik helfen?

3. Im «gehobenen» Segment hat Bern keinen Wohnungsmangel. Allein auf der Immobilienplattform «immoscout24.ch» werden Woche für Woche um die 500 meist teure Wohnungen im Gemeindegebiet angeboten. Sollen unsere grünen Lungen für weitere Luxusbauten geopfert werden?

4. Gegen den Mangel an preisgünstigen Wohnungen nützen teure Prestigeprojekte wie das Viererfeld nichts. «Auch die gemeinnützigen Wohnungen werden nicht günstig sein», offenbarte der Gemeinderat kürzlich in Beantwortung einer Stadtratsanfrage. Es macht darum keinen Sinn, 50 Millionen Franken städtische Steuergelder für den Kauf von Land aufzuwenden, das schon heute im Besitz des Kantons, also der Allgemeinheit, ist. Nützen würde, wenn bei den vielen laufenden Wohnbauprojekten mit städtischer Beteiligung (Burgernziel, Warmbächli, Holligen, Brünnen u.a.) mittels Reduktion des Baurechtszinses ein Anteil an wirklich preisgünstigen Wohnungen realisiert werden könnte.

5. Am 5. Juni kommt ebenfalls «Wankdorfcity II» zur Abstimmung. Hier wurden bis jetzt 4500 Arbeitsstätten, aber keine einzige Wohnung gebaut. Auch für die 2. Etappe sind mickrige 150 Wohnungen nur unverbindlich versprochen. Wie doppelbödig ist doch die Behauptung, die Viererfeldüberbauung sei nötig, um das Ungleichgewicht zwischen Wohn- und Arbeitsstätten zu reduzieren!

6. Gegen die Zersiedelung – die «Verhüselung» des Landes – nützt das Viererfeld nichts. In der Agglomeration, z. B. Ostermundigen, Wangental, Aaretal, Richtung Jegenstorf wird immer noch wie wild gebaut; mit dem Ausbau des Strassennetzes, der S-Bahnen und mit dem auch von rotgrünen Behörden propagierten neuen Tram wird das preisgünstigere Wohnen in den Vorotsgemeinden immer attraktiver. Welcher Widerspruch!

7. Grüne und Linke haben sich mit grosser Überzeugung für die Revision des Raumplanungsgsgesetzes und für die kantonale Kulturlandinitiative engagiert. Dieser Einsatz verliert an Glaubwürdigkeit, wenn ohne zwingende Notwendigkeit die Zweckentfremdung einer grossen Fruchtfolgefläche auf dem Viererfeld unterstützt wird.

8. Am 5. Juni geht es nicht nur um das Viererfeld, sondern um die Grüngebiete in der ganzen Stadt. Ein Ja zur Überbauung würde als Signal für eine ungehemmte Wachstumspolitik interpretiert, welche, wie der Stadtpräsident ehrlich bekannte, «auf Kosten unserer Naherholungsgebiete» ginge. Die nach dem Nein zu 1. Viererfeldvorlage begrabenen Pläne zur Überbauung der Manuelmatte bei der Stadtgärtnerei würden wieder aus der Schublade gezogen, die in mehreren Abstimmungen beschlossene Erhaltung der Landwirtschaftsgebiete in Oberbottigen, Brünnen-Süd und rund um Wittigkofen würde infrage gestellt. Bern ohne Grün – nein danke!