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REITSCHULE
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Medienmitteilung / Mediengruppe der Reitschule Bern
Polizeieinsatz auf der Schützenmatte in der Nacht vom 9. auf den 10. Mai 2015
Die Mediengruppe der Reitschule wendet sich nach dem gestrigen Polizeieinsatz auf dem der Schützenmatte zu Wort. Gestern Abend startete die Reitschule eine Kampagne unter dem Motto“ No Deal Area“. So wurden die Tore zu den Räumlichkeiten der Reitschule erst um Mitternacht geöffnet. Viele der Reitschülerinnen waren auf dem Vorplatz, um unsere Gäste auf unsere Anliegen aufmerksam zu machen.

Im späteren Verlauf des Abends kam es auf der Schützenmatt zu einem Vorfall, welchen die Kantonspolizei zu einer Medienmitteilung veranlasst hat. Laut Aussagen der involvierten Polizisten vor Ort, wurde auf der Schützenmatte ein Auto von einem minderjährigen Jugendlichen mit Fusstritten traktiert und scheinbar beschädigt. In der Folge fuhr ein Kastenwagen der Polizei auf die Schützenmatte und versuchte den Jugendlichen, der sehr stark alkoholisiert war, zu verhaften. Dieser Versuch war aber so dilettantisch, brutal und unverhältnismässig, dass anwesende Jugendliche darauf aufmerksam wurden und sich per Wortmeldungen in das Geschehen einmischten. Darauf wurden die Polizisten –vermutlich noch nicht so erfahren- nervös und forderten Verstärkung an. Nun fuhren aus allen Richtungen ca. sechs Polizeiautos/Kastenwagen auf die Schützenmatte. Die Jugendlichen versuchten die Polizei dazu zu bewegen die Einsatzkräfte zurückzuziehen, da niemand Lust auf eine weitere Eskalation hatte und in der Reitschule und dem Vorplatz eine gute Stimmung herrschte. Die Polizei zog sich daraufhin unkoordiniert zurück, wobei fast ein Auto vergessen ging.

Während des Einsatzes versuchte eine Person der Reitschule über das Kontakttelefon die Einsatzzentrale der Polizei zu erreichen. Nachdem der Reitschüler darauf hingewiesen hat, dass der Jugendliche wohl ärztliche Behandlung benötige, wurde das Telefongespräch seitens der Polizei ohne Verabschiedung abrupt beendet. In einer Zeit, in welcher der Reitschule vorgeworfen wird, man nehme das Kontakttelefon nicht ab und kommuniziere nicht mit der Polizei, ist so ein Verhalten der Behörden schlicht inakzeptabel.
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Mediengruppe der Reitschule Bern
Medienmitteilung 23. Februar 2015

Wie bereits mehrmals in früheren Medienmitteilungen ausgeführt, gibt es allenfalls bessere Ausgangspunkte für Aktionen wie jene von Freitagnacht, als dass sie bei der Reitschule gestartet werden und dort enden.

Weiter ist es in unserer Gesellschaft möglich, über die Mittel politischer Arbeit oder Aktionen geteilter Meinung zu sein. Dass die Polizei und/oder Herr Gemeinderat Nause andere Auffassungen politischer Arbeit haben, scheint uns nachvollziehbar.

Der Versuch verschiedener rechts- oder Wahlpolitisch motivierter Kreise, die Farbanschläge vom Wochenende – welche vor einigen Jahren noch am drauffolgenden Montag kaum eine fünfzeilige Randnotiz ergeben hätten – medial eskalieren zu lassen, kann von uns nur verurteilt und wie folgt beantwortet werden.

Seit einiger Zeit machen die Polizeiverbände Politik und versuchen mit ihren in den Medien platzierten Forderungen und Stellungnahmen gegen die Reitschule Einfluss zu nehmen.

Inbesondere indem sie politische Aktionen oder Ereignisse überhöhen, untermauern sie ihre Forderungen nach noch mehr Überwachung, noch mehr Kontrolle, noch mehr Polizei.

Das reflexartige Schreien von Politiker_innen nach einer Schliessung der Reitschule erstaunt uns hingegen nicht. Denn am liebsten sähen jene Polterer die Reitschule geschlossen und mit weisser Fassade, damit ihre heile kleine Welt möglichst nicht gestört würde. Und um wieder gewählt zu werden, müssen sie ihre Klientel bedienen und jedes Mal bellen, wenn bei der Reitschule etwas geschieht, um zu zeigen, dass sie noch da sind.

Dass deren Geltungssucht dabei bei den Medien auf fruchtbaren Boden fällt und kaum kritisch hinterfragt wird, spricht leider nicht für die Qualität der Medien.

Wir bitten Sie, Ihre Medienberichte nicht für persönliche Profilierungen der immer gleichen Exponent_innen, sondern für recherchierte Hintergründe zu nutzen. Das wäre ein Informationsgewinn.
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Die unermüdlichen „Freunde“ der Reitschule aus der Mitte
Motion Fraktion BDP/CVP (Martin Schneider, BDP/Béatrice Wertli, CVP): Gewährleistung eines geordneten Betriebs der Reitschule mit dem Leistungsvertrag sicherstellen (Motion zurückgezogen!)
Intervention der PdA Bern an der Stadtratssitzung vom 23.5.13

Konsequent ist er ja schon, der Motionär: hält den Topf mit seinen „copy and paste”-Vorstössen am Kochen. Und das nun schon etliche Jahre. Und immer sorgt er sich um die wahren Interessen der Reitschule. Versteht sich für ihn ja auch von selbst. Versteht er sich doch als Freund des Hauses. Und ganz konsequent entwickelt er von Anfang an auch das Doppelpassspiel: mit den Rechtsbürgerlichen. Ein beeindruckendes Beispiel für den Bedeutungsgehalt der immer mal wieder beschworenen vernünftigen Mitte.

Die Motion fordert einen “geordneten Betrieb“. Und da beginnt auch schon die Diffamierung. Den berühmten „Schandfleck“ kann der Motionär getrost seinen Spielpartnern fürs Gröbere überlassen. Er selber stellt schlicht und einfach das Funktionieren des ganzen Projekts in Frage. Ein einziger Blick auf die – im Gegensatz zur Reitschule – mit sehr viel Geld subventionierten Kulturbetriebe sollte da doch etwas stutzig machen. Wem ist es denn über die Jahre hinweg gelungen, seinen Betrieb so zu „ordnen“, dass wir uns über dessen Zukunft keine Gedanken zu machen brauchen? Wem gelingt es denn, so vielfältige Aktivitäten unter einem Dach so erfolgreich zu ordnen? Wo in dieser Stadt werden permanent von so vielen KulturaktivistInnen so viele Kulturbegeisterte in unterschiedlichste Projekte einbezogen? Und siehe da: Es funktioniert. Seit langem. Ordentlich basisdemokratisch.

Die Frage nach dem „geordneten Betrieb“ fokussiert sich für den Motionär auf dem „Sicherheitskonzept“. Sicherheit für wen? Für die Besucherinnen und Besucher – wie das auch für andere kulturelle Einrichtungen gilt? Eine anspruchsvolle Aufgabe, wenn wir die Anzahl Benutzerinnen und Benutzer der Reitschule bedenken? Wo soll aber da bitte jetzt das Problem liegen? Wo besteht Handlungsbedarf? Das Problem liegt anderswo. Es liegt darin, dass das „Sicherheitskonzept“ zur Black Box wird, in die alles Mögliche gestopft werden soll – wir kennen das bestens aus geistverwandten Vorstössen: das reicht dann weit über die Reitschule, den Vorplatz, die Schützenmatte, das Bollwerk hinaus. Anlässe werden sich da immer wieder finden, um diese Box mit neuen Forderungen zu befrachten. Dass der Motionär das Heil in einem professionellen Sicherheitsdienst sieht, wirkt da schon fast etwas erheiternd, wenn wir bedenken, mit welchen Problemen sich solche „Profis“ andernorts herumschlagen.

Auch in der Frage des „Sicherheitskonzepts“ bleibt unter dem Strich dieser Motion nichts weiter übrig als: Diffamierung der Reitschule, ihres Betriebs, ihrer Organisation. Die Partei der Arbeit Bern meint, dass es diesem Rat gut anstehen würde – anstelle von diffamierenden Vorstössen – dem Projekt Reitschule seinen Respekt, sein Vertrauen, seinen Dank und seine volle Unterstützung auszusprechen – wie das in mehreren Volksabstimmungen schliesslich immer wieder geschehen ist. Die Ablehnung der vorliegenden Motion ist dafür kein Ersatz. Immerhin aber ein kleiner Schritt.

Rolf Zbinden, Partei der Arbeit Bern, 23. Mai 2013 pdf
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Basisdemokratie ist lebbar – und nicht verhandelbar!
Leistungsvertrag mit dem Verein Interessengemeinschaft Kulturraum Reitschule (IKuR) für die Periode 2013 – 2015
Intervention der PdA an der Stadtratssitzung vom 15.11.2012


Heute Abend bietet sich uns eine einzigartige Chance. Eine grosse Chance erstens einmal für jene, die ohne Arges im Schilde zu führen – wie sie uns doch beteuern – eine kleinere Lawine losgetreten haben und denen es dann doch nicht ganz wohl war dabei. Sie brauchen nicht einmal Abbitte zu leisten. Sie können heute Abend schlicht und einfach „ja“ sagen zum vorgelegten Leistungsvertrag mit der Reitschule, gegen welche sie ja nie etwas gehabt haben – wie sie sagen.

Es bietet sich zweitens eine Chance für jene, die sich doch immer von den Scharfmachern abgegrenzt und diese trotzdem immer wieder mit Munition versorgt haben. Sie sind den Scharfmachern unheimlich nützlich gewesen, so unheimlich, dass die Zweifel an ihrer Aufrichtigkeit immer stärker und stärker geworden sind. Aber das könnte sich heute ändern: mit einem Ja zum Leistungsvertrag mit dem Kulturzentrum Reitschule, gegen das sie ja nie etwas gehabt haben – wie sie sagen.

Es bietet sich drittens eine Chance für all jene, die Vorstoss über Vorstoss häuften und die dabei die grosse Liebe zum Recycling-Geschirr entdeckt haben. Was immerhin auch etwas ist! Sie dürfen hier und heute Abend ihre Vorstoss-Wiederaufbereitungsmaschine einstellen und Windmühlen Windmühlen sein lassen. Und das sollte ja auch gar nicht so schwer sein, zumal sie eigentlich gegen die Reitschule gar nichts haben – wie sie uns sagen.

Der vorliegende Leistungsvertrag zeugt von einer sehr vernünftigen und pragmatischen Haltung, mit der beide Verhandlungsseiten vorgegangen sind. Und dem standen ja nun ganz offensichtlich die basisdemokratischen Grundsätze der Reitschule überhaupt nicht im Wege. Für die Partei der Arbeit ist das die politische Botschaft, welche sich nicht länger verdrängen lässt und die all jene blamiert, die uns ihren Glauben an den Segen der Hierarchie mit allerhand Aufwand aufzudrängen versuchen. Es würde einem städtischen Parlament gut anstehen, diesen Beitrag zu einer gelebten Demokratie mit Enthusiasmus zu verdanken.

Dazu ergibt sich heute Abend eine schöne Chance. Eine Chance für alle! Mit einer Zustimmung zum vorgelegten Leistungsvertrag können wir dem grössten, lebendigsten und vielfältigsten Kulturbetrieb Berns ein kleines Dankeschön aussprechen und einen bescheidenen Beitrag leisten zu seiner weiteren Arbeit. Wer diese Chance nicht nutzt, wird allerdings nicht mehr länger damit kommen können, dass er eigentlich gegen die Reitschule gar nichts und so weiter – Sie verstehen? Ich hoffe doch, Sie verstehen. Und packen die Chance.


Rolf Zbinden, Partei der Arbeit Bern, 15. November 2012 pdf
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Flugblatt der Mediengruppe Reitschule Bern
Nehmt ihr uns den Vorplatz, nehmen wir uns die Stadt

Ab dem 11. Mai 2012 gelten für die Reitschule verschärfte Betriebsauflagen (Zitat aus der Verfügung von Regierungsstatthalter Lerch: "Gäste, die Getränke nach 00.30 Uhr im Freien (inkl. Innenhof) konsumieren, sind wegzuweisen."). Damit wird schon wieder versucht, aus der Reitschule einen angepassten und pflegeleichten - normalen - Kultur- und Gastrobetrieb zu machen. Etwas, das die Reitschule nie war und niemals sein will!

Was bei der Reitschule immer wieder versucht wird, ist in der restlichen Stadt schon lange gang und gäbe. Es geht um Aufwertungspolitik, und die betrifft uns alle. Wenn wir uns im öffentlichen Raum aufhalten, werden wir von der Polizei oder von Securitys kontrolliert, schikaniert oder weggeschickt. Im öffentlichen Raum sollen mehr und mehr nur noch profitorientierte Veranstaltungen stattfinden. Damit wird er faktisch privatisiert - wie etwa auf der Grossen Schanze für die City Beach und das Orange Cinema.

Kultur und Freizeitangebote finden fast nur noch in Clubs statt, und auch das nur, solange sich niemand beschwert. Wer nicht genügend Geld für den Eintritt und die Drinks hat, muss draussen bleiben.
Gleichzeitig finden wir auch immer weniger Wohnungen, denn von Neubauwohnungen und Altbausanierungen profitieren meist nur Gutverdienende.

In der neoliberalen Gesellschaft befinden sich Städte in einem ständigen Konkurrenzkampf, um Unternehmen und damit Arbeitsplätze und Steuerzahler_innen anzuziehen. Dabei werden die Interessen der Bewohner_innen untergeordnet und unangepasste oder nicht so einfach zu vermarktende (Frei-)Räume zu Hindernissen, die verschwinden oder angepasst werden müssen.

Kurz, die Stadt soll für reiche Steuerzahler_innen attraktiv, schick und sauber sein. Mittels Überwachung, Polizei und privaten Sicherheitskräften werden dafür all jene vertrieben, die nicht in dieses Stadtbild passen.

Unser Lebensraum soll jedoch nicht von Politik, Behörden und Polizei verplant, reglementiert und überwacht werden, um im Standortwettbewerb gut abzuschneiden. Im Gegenteil: Wie unsere Stadt gestaltet ist, bestimmen wir selber!

Unsere Stadt - unser Raum - uns! ere Reitschule
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Intervention der PdA Bern an der Stadtratssitzung vom 2. Februar 2012
CVP und SVP pfeifen auf Volksentscheid für die Reithalle!
Dringliche Motion Henri-Charles Beuchat (CVP), Roland Jakob (SVP):
Einleitung eines Exmissionsverfahrens gegen die Mieter der Reithalle

Wie kippe ich einen Volksentscheid? Oder besser doch: gleich mehrere? Nein: nicht mit der Brechstange – das käme im Berner Stadtrat nicht gut an, solch ungehobeltes Vorgehen muss man sich für den Grossen Rat aufsparen.

Für gesittete Leute gilt als die 1. Regel: Mit vielen kleinen Nadelstichen lässt sich der Weg ebnen und der Schlussangriff vorbereiten – peu à peu.

Regel Nummer 2: Suche dir Verbündete, lass sie ruhig ihr eigenes Süppchen kochen und ihre Eitelkeiten pflegen. Wenn sie schliesslich aufwachen sollten, wird es eh zu spät sein. Merke: Die politische Moral solcher Mitmacher lebt davon, erstens mal von nichts gewusst und zweitens es so dann doch nicht gemeint und gewollt zu haben.

Halte den Topf am Kochen – und nicht nur, wenn es Wahlen ins Haus schneit. Denn mit dieser Regel Nummer 3 wirst du bei kaum einem Thema in Verlegenheit geraten und immer das letzte Wort behalten. So funktioniert die Logik politischer Hegemonie für Dummies.

Regel Nummer 4: Überrumple dann alle – auch deine flaueren Verbündeten: Sprich aus, was deine Sache ist, benenn klar und brutal den heissen Brei. Und riskier damit vielleicht sogar einen kleinen Rückschlag – dein Klartext wird einschüchtern und die Schlussoffensive vorbereiten. In dieser Phase sind wir mit der Dringlichen Motion von CVP und SVP angekommen.

Und genau gemäss dieser Dramaturgie ist die Demontage der Reitschule bisher inszeniert worden – seit jener grün-freien Motion Mozsa gegen die Basisdemokratie. Aus diesem Grund mutet es ja auch mehr als befremdlich an, wenn genau diese politische Ecke – sorry: Mitte – sich über die ewige Wiederkunft des Themas mokiert und uns mit Standard-Antworten droht. Wer bisher so fleissig mitgezündelt hat, wird sich so einfach nicht aus der Verantwortung stehlen können, wenn nun das grobe Geschütz aufgefahren wird. Überhaupt scheint sich das als der Hauptcharakter der selbstdeklarierten Mitte herauszustellen: Nennen Sie es nun politische Amnesie oder Verrenkung – bei diesem Wenden der Hälse wäre das ja auch kein Wunder!

Mit der vorliegenden Dringlichen Motion hat das Trauerspiel seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Dieser offene Schulterschluss zwischen CVP und SVP schafft aber auch Klarheit. Vorbei ist das lächerliche Gezänk um Flaschen, Mehrweggebinde und Torschliessung. Der CVP/SVP-Vorstoss geht aufs Ganze. Es ist Zeit, Farbe zu bekennen: für oder gegen die Reitschule. Die Zeit der Halbherzigkeiten ist vorbei.

Ich frage Sie: Ist das kulturelle Leben Berns nicht tief geprägt von Querdenkerinnen und Querschädeln? Von Unangepassten und Unbequemen? Von Aufmüpfigen und Abweichenden? Und ist Bern mit ihnen nicht gut gefahren? Wer will uns denn jetzt wirklich einen Kulturkampf aufdrängen, bei dem es garantiert keine lachenden Sieger geben wird? Wer aber nichts unversucht lässt, das Projekt Reitschule zu sabotieren, wird sich noch die Augen reiben.
Die Partei der Arbeit steht voll und ganz hinter der Berner Reitschule. Die ständigen Angriffe auf die Reitschule fügen der Berner Kultur schon jetzt einen sehr grossen Schaden zu. Damit muss endlich Schluss sein.

Rolf Zbinden, Partei der Arbeit Bern, 2. Februar 2012 pdf
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Schluss mit den Erpressungsversuchen gegenüber der Reitschule!
Leistungsvertrag mit dem Verein Interessengemeinschaft Kulturraum Reitschule, IKuR, für die Periode 2012–2015; Verpflichtungskredit
Intervention der PdA Bern an der Stadtratssitzung vom 17.11.2011

Im „Basiswörterbuch Religion“ können wir lesen: „Vor allem jedoch sind nützliche Idioten diejenigen Menschen, die nur zu oft mit bestem Willen und mit lauterster Gesinnung bei typischen Teufelskreisen mitmischen – und eben nicht als Sand im Getriebe – und damit letztlich doch nur Handlanger und Wegbereiter fremddienlicher Interessen sind.“ Ich habe mich im vergangenen Frühling so was von geirrt: Die selbstdeklarierte Mitte treibt ihr Spiel halt doch nicht aus Kurzsichtigkeit und Naivität. Sie dient den Hardlinern bewusst, geschickt und nachhaltig zu: und das konsequent seit dem Sirnengesang der Motion Mozsa. Und mittlerweile hat sich aus diesem Gesang ein veritables Konzert entwickelt unter gütiger Mitwirkung einer schrillen Regierungstrompete, polizeilicher Trommler und Einpauker und journalistischer Streicher. Bei dieser Klangfülle haben leisere Töne längst keine Chance mehr. Das alles ist mittlerweile bestens orchestriert und unterscheidet sich damit markant von früheren Hüftschüssen: Diese Mitte hat dazugelernt. Zweifellos!

Geniessen Sie doch diesen Erfolg. Aber dann kommen Sie bitte wieder auf diesen Berner Boden zurück! Und dann machen Sie sich bitte auch bewusst, welche seltsame Dynamik Sie angestossen haben. Und setzen Sie im politischen Übermut nicht aufs Spiel, was die Berner Jugend erstritten und in langen Jahren aufgebaut hat! Sagen Sie uns, wo wir ein vergleichbares Projekt finden, das so erfolgreich diese Vielfalt an kreativen Arbeiten und kulturellen Angeboten vereinigt? Zählen Sie doch mal die Generationen von Jugendlichen, die mittlerweile ihre Erfahrungen als BesucherInnen und BetreiberInnen dieses kreativen Biotops gemacht haben – einer kleinen Welt ganz ohne Chefs. Wenn wir in der Reitschule etwas nicht antreffen, dann sind das hohle Hände. Aber wem hier drin sage ich das? Das wissen Sie bestens – allen voran der Sicherheitsdirektor – und weit über die politische „Mitte“ hinaus. Schon die Motion Mozsa hat nicht damit leben können und wollen, dass solche Arbeitszusammenhänge basisdemokratisch organisiert werden können. Und dass das dann auch noch funktioniert: und erst noch so gut, erst noch so lange!

Das bürgerliche Gebastel am Leistungsvertrag zeugt für die PdA Bern zuerst einmal von fehlendem Respekt gegenüber allen, die mit ihrem Einsatz den vielseitigen Betrieb der Reitschule ermöglichen. Wer einen solchen Laden schmeisst, lebt sicher nicht in den Tag hinein, sondern braucht mindestens eine mittelfristige Perspektive. Aber wem muss ich das sagen? Sicher nicht den Sprecherinnen und Sprechern der KMUs hier drin. Das ewige Aufschieben, Aufsplitten und Abändern des Leistungsvertrags kreiert eine Atmosphäre der Unsicherheit, welche nicht im Interesse der Berner Kultur liegen kann. Die Drohung mit der Einschränkung oder gar Schliessung des Restaurationsbetriebs kann schliesslich nur ein einziges Ziel verfolgen: dem Projekt Reitschule die Luft abzuschnüren. Wer solches andenkt, wird auch in Zukunft nicht davon ablassen, jede Gelegenheit zur politischen Eskalation auszunützen.

Die PdA Bern fordert alle, denen kulturelle Vielfalt und vielfältige Lebensräume ein echtes Anliegen sind, dazu auf, dem Leistungsvertrag mit dem Verein Interessengemeinschaft Kulturraum Reitschule endlich zuzustimmen. Angesichts des stolzen Leistungsausweises der Reitschule weiterzunörgeln – verschonen Sie uns von diesem Bild engherziger Politikerinnen und Politiker. Es ist wahrlich schon genug politischer Schaden angerichtet und sehr viel Vertrauen zerstört worden. Eine solche „Sonderbehandlung“ der Reitschule trifft die Berner Kultur als Ganzes. Dieses zermürbende Spiel gehört endlich abgepfiffen! Und der Leistungsvertrag für die Periode 2012-2015 endlich abgeschlossen!

Rolf Zbinden, Partei der Arbeit Bern, 17.11.2011 pdf
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Schluss mit den hinterhältigen Angriffen
auf die Berner Reitschule!
Ausblick auf eine kommende Debatte im Berner Stadtrat zum Leistungsvertrag zwischen der Stadt Bern und der Reitschule

Es ist nicht mehr länger zu verheimlichen: Wir haben ein echtes Sicherheitsproblem in Bern, genauer: ein Sicherheitsdirektorenproblem! Seit einigen Monaten lassen gewisse Kreise nichts unversucht, um die Stimmung hier in Bern anzuheizen. Und wenn die Verteufelung von Fanwalks nicht zu den erwünschten handgreiflichen Resultaten führt und wenn die polizeiliche Besetzung der Stadt Bern als Begleitprogramm zu einem „Familienfest“ zwar alle provoziert, aber keine „Chaoten“ produziert, dann gibt es ja immer noch die Möglichkeit, ein Spezialkommando von zivilen Provokateuren die Drecksarbeit verrichten zu lassen. Hauptsache: ein paar wenige ehrliche und halt noch bedeutend mehr unehrliche Reitschul-Gegner dürfen nach dem Drehbuch des Sicherheitsdirektors im Berner Stadtrat demnächst ein „Zeichen“ setzen.

Der Berner Sicherheitsdirektor ist auf dem besten Weg, sich zum Propheten zu mausern: Seine martialischen Worte und noch martialischeren Handlungen haben klar das Potential einer „self-fulfilling prophecy“, einer sich selbsterfüllenden Prophezeiung. Wer noch im kürzesten Interview locker „Chaoten“, „Kriminelle“ und „Saubannerzüge“ unterbringt, redet eine Situation heiss, die alle Beteiligten unter Stress setzt – nicht zuletzt die polizeilichen Einsatzkräfte, welchen so ein verhängnisvolles Feindbild geboten wird. Ausgrenzung, Kriminalisierung, Entmenschlichung: all das hat im Wortschatz eines Verantwortung tragenden Politikers nichts zu suchen – auch nicht in dem eines Sicherheitsdirektors.

Bei einem Teil des Stadtrats ist die giftige Saat schon aufgegangen – und wie schnell ist sie aufgegangen! Noch vor jeglicher Ab- und Aufklärung der Ereignisse vom 22. September 2011. Und wenn da die teilweise Schliessung des Restaurationsbetriebs in der Reitschule gefordert wird, muss man sich wirklich zuerst einmal die Augen reiben. Muss man das psychologisch interpretieren: als Übersprungshandlung? Dreschen die da auf den Sack ein und meinen den Esel? Aber leider hat es Kalkül, wenn auch hintersinniges und hinterlistiges! So nimmt man die Reitschule in die Zange: Einerseits wird da am Leistungsvertrag zwischen der Stadt Bern und der Reitschule gesägt, andererseits soll der Reitschule mit dem Beizenbetrieb ein Standbein weggeschlagen werden, das nicht nur finanziell von Bedeutung ist. Da wird zum Generalangriff geblasen. Das ist raffiniert und von langer Hand eingefädelt. Und heute würde es mir nicht mehr in den Sinn kommen den Sprecher der Fraktion BDP/CVP als unwissenden Erfüllungsgehilfen der Hardliner zu taxieren. Denn sie alle wissen genau, was sie tun!

Die Partei der Arbeit Bern setzt sich im Stadtrat für den neuerlichen Abschluss des Leistungsvertrags zwischen der Stadt Bern und der Reitschule ein. Im Hinblick auf die polizeilichen Übergriffe vom 22. September 2011 fordern wir eine vollständige Aufklärung. Wer für diesen Angriff auf die Reitschule operativ und politisch verantwortlich ist, soll diese Verantwortung gefälligst auch tragen – und die Konsequenzen!

Rolf Zbinden, Stadtrat PdA Bern pdf
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Keine faulen Spielchen auf dem Buckel der KulturarbeiterInnen!
Intervention der PdA Bern an der Stadtratssitzung vom 3. März 2011
Leistungsverträge / Subventionsverträge mit 20 Kulturinstitutionen für die Periode 2012 bis 2015; Verpflichtungskredite und Abstimmungsbotschaft

Die Behandlung der Leistungsverträge durch den Stadtrat ist sicher nicht der schlechteste Rahmen, um all jenen einen herzlichen Dank auszusprechen, die mit ihrer Arbeit einen Kulturbetrieb ermöglichen und garantieren, der durch seine grosse Vielfalt, Qualität und Ausstrahlung weit über die Stadt hinaus beeindruckt. All diesen Kulturarbeiterinnen und Kulturarbeitern vor und hinter den Kulissen möchte die PdA Bern jedoch nicht nur danken, wir möchten sie auch ermuntern, weiterhin auf ihre je spezifische Weise für den kulturellen Reichtum der Stadt Bern zu sorgen. Und genau deshalb gilt es heute Abend hier im Rat Sorge zu tragen.

Sicher ist es – gerade in den letzten Monaten – nicht ganz ohne Stilbrüche, Misstöne und echten Theaterdonner abgegangen. Bemerkenswerter Weise betrafen die Fehlleistungen in keinem einzigen Fall jene, welche die kulturelle Leistung in Sinn der Leistungsverträge mit ihrer täglichen Arbeit erbringen. Sie betrafen interessanter – oder bezeichnender oder tragischer? – Weise ausschliesslich jene, die Leitungs- und Koordinationsaufgaben zu erfüllen haben, zu erfüllen hätten. Dies gilt es heute Abend in jedem einzelnen Fall, bei jeder einzelnen Entscheidung zu berücksichtigen.

Die vorliegenden Leistungsverträge sind ein äusserst delikates Gebilde: Ein Kürzen des einen Beitrags könnte nicht nur Auswirkungen haben auf andere Posten – es würde das ganze System gefährden, in Frage stellen. Es darf daher nicht sein, dass durch unsere Entscheide heute Abend just jene getroffen werden und die Zeche zu bezahlen haben, die absolut keine Schuld trifft an negativen Schlagzeilen: nämlich die Kultur Produzierenden und die Kultur Konsumierenden, Erlebenden und Geniessenden. Die PdA Bern setzt sich daher dafür ein, dass dieser solidarische Grundsatz konsequent befolgt wird – und das heisst dann auch: konsequent über alle Verträge hin!

Es wäre für die PdA Bern denn unter diesen Voraussetzungen auch unverständlich und völlig inakzeptabel, wenn gerade die kleineren kulturellen Einrichtungen – besser gesagt: die mit kleineren öffentlichen Unterstützungsbeiträgen! – geschröpft werden sollten. Die Kultur dieser Stadt lebt von der Vielfalt. Von der Vielfalt an kulturellen Äusserungen, der Vielfalt der institutionellen Gefässe, der Vielfalt der kulturellen Orten und der Vielfalt des Publikums. Und wer garantiert denn diese Vielfalt, wenn nicht die Kleineren und Kleinen, die bei einem bescheidenen Anteil am Unterstützungskuchen ein sehr beeindruckendes Angebot generieren?

Auf diesem Hintergrund ist es denn auch unverständlich und für uns inakzeptabel, wenn das Kino Kunstmuseum seinen Kopf hinhalten müsste für eine sture, kurzsichtige und kulturfremde Sparübung. Mit der vom Gemeinderat beantragten Kürzung des Beitrags wird ein verdienstvolles künstlerisches und medienpädagogisches Projekt nachhaltig getroffen. Was dabei herauskäme, wäre keine echte Unterstützung mehr – es wäre Sterbehilfe. Dass dabei vom Gemeinderat vermeintliche Bedürfnisse des Kunstmuseums – mit oder ohne dessen Mittäterschaft? – ins Feld geführt werden, mutet schon eher grotesk an. Dass nach dem undurchsichtigen und dilettantischen Gerangel um ein Museum oder eine Abteilung der Gegenwartskunst gerade das Kino Kunstmuseum bluten soll: Das gehört dann definitiv in die Logik jener Liga, die Kultur nicht belebt oder lebt – sondern verwaltet.
Unverständlich und völlig inakzeptabel ist für uns auch das Katz und Mausspiel, das sich einige Fraktionen mit der Reitschule leisten. Da scheinen einige den Narren gefressen zu haben am Spiel mit den Muskeln. Und erinnern sich nicht mehr daran, was sie mit diesem Gehabe schon verbockt haben. Ihre Interpretation der jüngsten Volksabstimmung über die Reitschule scheint mir dann doch recht eigenartig. Es ist wohl doch kein Zufall, dass ihnen an der Reitschule vor allem eines nicht passt: die Basisdemokratie!

Setzen wir hier und heute kein deutliches Zeichen für die Unterstützung der Berner Kultur, und zwar in ihrer ganzen Breite und Vielfalt, dann könnte uns schon bald ein Wind um die Ohren wehen, von dem der aktuelle Sparvorschlag des Gemeinderat und das Verwirrspiel um die Reitschule ein degoutantes Vorspiel liefern. Man nehme die Stellenausschreibung für den neuen Posten des „Super-CEO“ für Konzert Theater Bern und lasse sich nur diese Sprach-“Kultur“ einfach mal auf der Zunge zergehen. Als gäbe es lebendige Kultur von der Stange! Aber Kultur lässt sich nicht als Sedativum nach den Regeln der Pharmaindustrie managen. Lebendige Kultur ist halt immer auch ein Wagnis, ist immer wieder gut auch für Überraschungen, ist widerborstig oder gar mal unbequem. Lebendige Kultur ist halt eben unberechenbar – in der vollen Bedeutung des Begriffs. Weil wir zu dieser Kultur stehen, fordert Sie die PdA Bern auf, dieser Kultur heute in ihrer ganzen Vielfalt das Vertrauen auszusprechen.

Rolf Zbinden, PdA Bern, 3.3.2011 pdf
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Initiative „Schliessung und Verkauf der Reitschule!“ (Abstimmungsbotschaft)
Intervention der PdA Bern an der Sitzung des Stadtrats vom 24.6.2010

Kultur ist, was gefällt! Das bekommen wir immer wieder zu hören, wenn es hier im Rat um die Leistungsaufträge mit kulturellen Institutionen geht. Was bei den Leuten nicht ankomme, das solle nicht noch künstlich am Leben erhalten werden. Wir kennen den Autor solcher Aussagen. Wir kennen seine Konsequenz, wenn es darum geht, Zugewanderte, Frauen, Unangepasste, Armutsbetroffene, Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, Kulturschaffende – wenn es darum geht, alle diese Mitbürgerinnen und Mitbürger mit einem Vokabular einzudecken, das nicht etwa aus dem vorletzten Jahrhundert stammt, sondern aus dem letzten. Oder aus Brehms Tierleben.

Der Autor solcher Vorstellungen und Phantasien ist auch der Autor der neusten Initiative gegen das Kulturzentrum Reitschule. Der Zuschnitt der Initiative ist von bewundernswerten Klarheit, der Einsatz des Autors tadellos. Und doch: Da muss etwas schief gelaufen sein! Da geht es irgendwie und irgendwo nicht mehr gut auf – für den Initianten! Was wird denn da nun genau aufs Korn genommen? Subventionskultur? Kultur zu erlesenen Preisen aus der Stadtkasse für ein erlesenes Publikum? Fehlanzeige! Wo lebt denn in diesem Land Kultur so frisch, so wenig exklusiv, so vielfältig, so unübersichtlich, so überraschend, so selbstbewusst, ja: so erfolgreich? Wo, wenn nicht an der Schützenmatte? Da wurde vom Autor der Initiative mit tödlicher Munition gezielt – und verrissen: Die Initiative wird im Sondermüll des Scheibenstands landen, ihr Autor leider im Grossen Rat.

Lassen wir uns ja nicht täuschen, wenn aus den Reihen der Initianten jeder negative Vorfall zwischen Heiliggeistkirche und Eisenbahnbrücke gierig aufgegriffen und mit der Reitschule in einen ursächlichen Zusammenhang gerückt wird. Was diese Leute wirklich stört, sind nicht diese Vorkommnisse, sondern: das Funktionieren einer Alternative zur durchkommerzialisierten Freizeit, zur Kultur als Unterhaltungs- und Verblödungsindustrie. Und was nicht sein kann, darf nicht sein. Weg damit – an den Meistbietenden! Die Logik ist einfach. Diese Logik kennen wir aus diesen Kreisen. Eine andere Logik kennen sie schliesslich auch nicht: Geld statt Geist.

Hüten wir uns aber davor, noch bei der Ablehnung der Initiative den Initianten auf den Leim zu kriechen. Hüten wir uns davor, die Argumente der Initianten kurzsichtig zu kolportieren. Hüten wir uns davor, die Saat der Einschüchterung und Angstmacherei, auf der die Initiative aufbaut, noch mit zu giessen. Was soll denn jetzt das Mutmassen in der Abstimmungsbotschaft über die Marktfähigkeit der Liegenschaft im Fall einer Räumung? So spielen Sie den Initianten den Ball zu. Sie werden Ihnen noch so dankbar sein und freudig draufdreschen. Solche simplen und klaren Initiativen gewinnt man nicht mit Schlaumeiereien.

Solche Initiativen verlangen simple und klare Antworten: Die PdA Bern sagt ganz einfach ja zur Reitschule als kulturelles und soziales Zentrum. Und die PdA Bern sagt ganz einfach nein zu jeder Privatisierung und zum Verscherbeln von Gemeindebesitz. Aber vielleicht tönt das fast schon zu pathetisch. Vielleicht nehmen wir den Initianten und seine Suppenkasper damit schon fast zu ernst. Vielleicht versalzen wir ihnen die Suppe dann am wirkungsvollsten, wenn wir sie in ihrer eigenen lächerlichen Selbstüberschätzung und Aufgeblasenheit stehen lassen. Auch diese Initiative wird untergehen – muss untergehen: in einem Gelächter.

Rolf Zbinden, PdA Bern, 24.6.2010 pdf
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Motion Fraktion BDP/CVP (Martin Schneider, parteilos):
Renovation Reitschule, innen und aussen
Intervention der PdA Bern im Berner Stadtrat, 5.11.09

Wir kennen das Phänomen von verschiedenen Vorstössen her: Die Berner Reitschule kennt – fast – nur Freunde. Und einige dieser Freunde wollen ihr regelmässig an den Kragen. Weil sie es doch so gut mit ihr meinen!

So outet sich denn auch der aktuelle Motionär als eigentlicher Habitué und Kenner der alternativen Kulturszene – „und sogar noch etwas mehr…“, was auch immer diese Worte und die drei vieldeutigen Punkte bedeuten sollen. Seine Kritik setzt er zuerst buchstäblich: in Klammern. Hier finden wir dann das Standardprogramm, das üblicherweise unter dem Titel „Vorplatz“ geboten wird – neben einer echten Premiere: „Schutz vor militanten Demonstranten“! Was will der Motionär der Reitschule hier genau vorwerfen?

Dann legt der Motionär aber erst so richtig los und bringt es auf seinen Punkt: „Das Experiment (…) wurde in Bern 20 Jahre lang toleriert“! Das scheint uns allerdings eine äusserst interessante Interpretation von Toleranz, die der Motionär uns hier auftischt, nachdem er eben erst erwähnt hat, dass das Stimmvolk wiederholt ja gesagt habe zur Reitschule: „was ein klares Votum ist.“ Aber wir erfahren schliesslich auch, was ihn – wie schon seinen Vorgänger – stört am Experiment Reitschule: die Basisdemokratie.

Da hilft nur noch eins: Man muss direkt philosophisch werden! Und die Register ganz weit oben ziehen: „die Geschichte“ und „die Menschheit“ – darunter geht es einfach nicht mehr. Mein Schutzengel behüte mich vor solchen Kalendersprüchen aus den Guten Schriften der 50er Jahre, als die Schulbänke wirklich noch drückten.

Bei der Kernforderung geht es dann wieder bedeutend bodenständiger zu, wenn der Motionär die Zerschmetterung der IKUR fordert und ihre Ersetzung durch „eine neue Geschäftsleitung mit kompetenten Menschen.“ Das ist nach der eingangs erwähnten Schmusespur nicht nur widersprüchlich, sondern strotzt vor Arroganz. Vor solchen Freunden alternativer Kultur muss man sich vorsehen – mehr vorsehen als vor den offenen Gegnern der Reitschule. Diese Freunde spucken hinterrücks in die Suppe.

„Renovation Reitschule, innen und aussen“: Aber der Mensch hat doch Humor und verfügt über Wortwitz? Uns vergeht aber das Lachen gründlich, wenn wir sehen, wie der Motionär mit seinen Forderungen einen Keil zu treiben versucht zwischen die einzelnen Kollektive und die IKUR. Wer ohne Geschäftsleitung nicht leben kann, wer sich das nicht einmal vorzustellen vermag – der wird es wohl ähnlich sehen wie der Motionär und wird vermutlich für die Basisdemokratie noch nicht bereit sein. Nicht einmal bereit, sie noch länger zu tolerieren.

Die PdA Bern ist dem „Experiment“ Reitschule gerade dafür dankbar, dass nicht auf den Sanktnimmerleinstag gewartet wird, um wichtige Elemente selbstbestimmten und basisdemokratisch organisierten Lebens kreativ umzusetzen – und das in einer Gesellschaft, die von selbstverständlich kompetenten Geschäftsleitungen in den sozialen und ökologischen Bankrott getrieben wird. Ob Motion oder Postulat: Sorgen wir dafür, dass dieser Vorstoss abgelehnt wird und der Geschichte angehört.

Rolf Zbinden, PdA Bern, 5.11.09 pdf
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Motion Fraktion GFL/EVP (Erich Mozsa, GFL)
Reitschule schützen - Gewaltprobleme lösen

Verhüllen, räumen, verkaufen, schliessen, abreissen – wir sind uns einiges gewohnt, was die destruktiven Phantasien gegenüber der Reitschule anbelangt. Die Motion der GFL/EVP kommt – verglichen mit dem rechtsbürgerlichen Gepolter – auf weichen Pfoten daher geschlichen. Während sich bekennende Bürgerliche halt mehr für die harten Werte interessieren, zielt die GFL/EVP schlauerweise: auf die Software!

Entsprechend soft ist denn auch die Motion überschrieben: „Reitschule schützen! Aber damit zielt sie nicht etwa birnenweich am Wesentlichen vorbei. Nein: Hier wird das Wesentliche aufs Korn genommen: die basisdemokratische Verfassung der Reitschule. Dass der Motionär dann auch gleich noch seine Meinung von der Basisdemokratie zum Besten gibt, macht aus seinem Vorstoss schon fast ein zeitgeschichtliches Dokument: „Basisdemokratischen Strukturen mangelt es oft an Verbindlichkeit und Verantwortung. Donnerwetter! Wo hat der Motionär so was gelernt?

Ist das hehre Ziel der Zerstörung der basisdemokratischen Software der Reitschule erst einmal fixiert, braucht man in der Erfindung der Argumente ja auch nicht mehr allzu originell zu sein. Da gibt es die Vernünftigen und die Unvernünftigen, die Vermittelnden und die Radikalen, die „moderaten Kräfte und die „wilden Gruppen. Das hat man eben von dieser Basisdemokratie! Aber Spalten war schon immer ein beliebtes Mittel, um mit der Demokratie fertig zu werden. Ausgrenzen, eingrenzen, gegeneinander ausspielen, Misstrauen impfen – und schon wüten die Trojaner im Programm. Das denkt sich, das wünscht sich der Motionär.

Und damit sein Plan auch ja klappt, winkt er am Schluss drohend mit Handfestem: „Kürzungen der Nebenkosten im Subventionsvertrag, Vertragskündigung etc. Gerne würde Mensch wissen, was hinter dem „etc. steckt: Was bleibt denn da überhaupt noch übrig? Hier schliesst sich dann der Kreis – und der junge Motionär und die älteren reichen sich die Hände. Das ist unschön, aber wahr und offensichtlich.

Es erstaunt dann aber schon ein bisschen, wie locker der Gemeinderat dieser Motion als Richtlinie zustimmt: Viel Schreibarbeit hat ihn dieser Vorstoss allerdings nicht gekostet. Und was der Gemeinderat da schreibt, hat mit der Motion erst noch denkbar wenig zu tun. Da lesen wir von Handlungsbedarf „rund um den alternativen Kulturbetrieb Reitschule, „im Perimeter Reithalle, „insbesondere auf dem Vorplatz: „Aufgrund der aktuellen Situation insbesondere mit der Drogenszene sind Sofortmassnahmen nötig. Man reibt sich die Augen und fragt sich, was das mit unserem Motionär zu tun hat. Und man muss sich auch fragen, wer denn bitte mit der kulturellen Belebung des Vorplatzes Ernst gemacht hat! Und das geschah, während die offizielle Politik endlos über die Abweisung von Drogenabhängigen aus dem Oberland, über Öffnungszeiten und eine zweite Anlaufstelle diskutierte und diskutierte und diskutierte.

Die PdA lehnt jeden Angriff auf die basisdemokratischen Strukturen der Reitschule ab und fordert Respekt: nicht nur gegenüber dem Angebot an Film, Tanz, Musik und „kulinarischen Perlen” – sondern auch Respekt vor einem basisdemokratischen politischen Willen.

Rolf Zbinden, PdA Bern, 19 Februar 2009 pdf
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Reitschule



Reitschule-Sommerfest 2014
No Borders, No Nations
Die Reitschule veranstaltet am 31.07.2014 & 01.08.2014 zum ersten Mal ein Reitschule-Sommerfest unter dem Motto „No Borders, No Nations“ - Openair vor dem Haus. Wir wollen die Reitschule in ihrer ganzen bunten Vielfalt präsentieren, sowie auch unsere Ideale einer alternativen Lebenskultur und Denkart. Wir haben dazu ein breit gefächertes, globales Programm auf die Beine gestellt: Workshops für Jugendliche, Kinderprogramm und Führungen durch die Reitschule an beiden Nachmittagen. Um 18h startet das Musikprogramm auf der Openair-Bühne. Angefangen mit einem Hip-Hop-Cypher vor der Bühne - wo auch die Workshop Teilnehmer/Innen mitmachen können - danach diverse Bands und DJs. Es spielen regionale & ausserregionale Künstler. Mit dabei sind ANTI-FLAG (USA) sowie weitere Gruppen aus den USA und Brasilien: global & lokal. Der ganze Anlass ist nicht eingezäunt, frei und gratis, inkl. den Workshops und dem Kindernachmittag. Getreu dem Motto „No Borders, No Nations“. Ein unkommerzielles Fest ohne Konsumationszwang. Es gibt ein Getränke- & Essensangebot zu Reitschulepreisen. Um die Kosten zu decken, werden Solibändeli verkauft.

Nicht zufällig findet das Fest am Wochenende des Schweizer Nationalfeiertags statt., das Datum bietet sich idealerweise an über Nationalismus und Alternativen nachzudenken. Es soll Anlass zum diskutieren und hinterfragen bieten. Freitagnachmittag findet in der Reitschule dazu ein Vortrag von Prof. Dr. Arian Schiffer-Nasserie statt: „Wer ist "Wir"? Argumente gegen die Nation, gegen den normalen Patriotismus und einen alternativen Nationalismus. Für uns Reitschüler gibt es keinen Grund Nationen zu feiern. Die Reitschule versteht sich als Kultur- und Politzentrum, das seit jeher versucht ausgrenzende Konstrukte aufzulösen und eine Gesellschaft jenseits von Grenzen und Nationen anstrebt. Unser Ziel einer offenen Gesellschaft ist nicht ohne Unterstützung möglich, daher freuen wir auf viele interessierte Besucherinnen. Die Reitschule bietet mehr...


Programm und Plakat


Das Video zu Müslüms • Erich, warum bisch du nid Ehrlich?



Reitschule bietet mehr: Abstimmungs-Kurzfilmspots zum Schmunzeln
Am 26. September 2010 wird in der Stadt Bern bereits zum fünften Mal über die Reitschule  abgestimmt. Dieses Mal verlangt eine rechtsbürgerliche Anti-Reitschule-Initiative die Schliessung und den Verkauf des seit 1987 bestehenden Berner Kultur- und Begegnungszentrums Reitschule.

Die drei Filmemacher des Berner "Decoy Collective" haben sich die rechtsbürgerlichen Reitschule-Zukunftsvorschläge zu Herzen genommen und nach dem Motto "Extrahieren wir aus dem Aberwitz den Witz" ihr deutliches Nein zur aktuellen Anti-Reitschule-Initiative auf Video festgehalten. Mit bekannten Schweizer SchauspielerInnen, die ohne Gage ihre Gesichter zur Verfügung stellten, wurden 4 Abstimmungs-Kurzfilmspots zum Schmunzeln gedreht:

Spot 1:
Party im Shopping-Center?
Reitschule bietet mehr. Zum Beispiel Konzerte und Parties im Dachstock.
(mit Nina Bühlmann und Lisa Brühlmann)

Spot 2:
Kino im Parkhaus?
Reitschule bietet mehr. Zum Beispiel das Kino in der Reitschule.
(mit Dominik Gysin und Nathanel Schaer)

Spot 3:
Theater im Büro?
Reitschule bietet mehr. Zum Beispiel das Tojo Theater.
(mit Gilles Tschudi ! und Esther Gemsch)

Spot 4:
Dinner im Schwimmbad?
Reitschule bietet mehr. Zum Beispiel das Restaurant Sous Le Pont.
(mit Andreas Matti und Doro Müggler)


Nein-Stimmen zur Anti-Reitschuleinitiative