Progymnasium „PROGR“:
Übertragung vom Verwaltungs- ins Finanzvermögen; Abgabe der Liegenschaft in Baurecht und Überführung der Bodenparzelle vom Finanz- ins Fondsvermögen (Abstimmungsbotschaft)

Intervention der PdA Bern

Uns hätte nichts Besseres passieren können: Seit einem halben Jahrzehnt schreibt der PROGR eine Erfolgsgeschichte als Kunst- und Kulturzentrum, das weit über die Stadt Bern hinausstrahlt – und alle Beteiligten können stolz darauf sein. Wir wissen: Begeisterung lässt sich nicht verordnen, noch antrainieren. Aber ein bisschen Dankbarkeit angesichts dieses Wunders von Bern hätte die PdA Bern in diesem Haus schon erwartet.

Dabei grenzt es wirklich an ein Wunder, dass nach dem jahrelangen Hin und Her um Prestigeobjekte und Tanz um Goldesel kein Schuh herausgezogen worden ist – wie wir es aus anderen Fällen bestens kennen. Beim PROGR können wir beruhigt sein: Hier versucht nicht ein ambitiöser Amateur im Garten der Kunst sich ein Denkmal zu setzen, obendrein noch seine Bedingungen zu diktieren und just nur gerade den Teil der Zeche zu bezahlen, der seinen Namen verewigt. Wollen wir auf kulturelle und künstlerische Kompetenz und einen eindeutigen Leistungsnachweis setzen: Mit der Künstlerinitiative Pro PROGR sind wir gut bedient.

Wir sind mit dem Provisorium gut gefahren: Ein Prozess der Entschleunigung hat Raum geschaffen für kreative Impulse und Entwicklungen. Die PdA Bern hätte gut mit einer Verlängerung des Provisoriums leben können. Lebendige Kultur braucht Raum, der nicht durchdefiniert ist, liebt Umgestaltung und Umnutzung, entfaltet sich halt eben auch in Provisorien. Wir haben es genossen. Die Papiere, die uns heute vorliegen, zeigen, dass es künftig vernünftiger zugehen muss

Wenn es denn sein muss! Janusodenn: Wählen wir aber einen Weg, der uns davor bewahrt, dass auch noch ein weiterer Teil unserer Innenstadt nach Büro- und Geschäftsschluss in kultureller Tristesse versinkt. Geben wir jener Variante eine Chance, die auf den Erfahrungen aufbauen kann, die während der letzten fünf Jahre überprüft werden konnten. Seien wir doch so selbstbewusst, jenen Trumpf zu behalten, um den uns andere Städte beneiden.

Machen wir uns aber keine Illusionen: Hier wird mit ungleichen Mitteln gekämpft. Hier wird mit einem Generalverdacht gegenüber dem Projekt der Künstlerinitiative Pro PROGR aufgefahren, den man im Zusammenhang mit teuren Prestigeobjekten vermisste. Im Bericht der Liegenschaftsverwaltung werden Massstäbe zur Anwendung gebracht, die nicht bei den Chancen ansetzen, sondern bei möglichen Problemen. Solcherart Argumentation killt jede Form sozialer Fantasie und Kreativität.

Wer so mit kulturellem Kapital umgeht, wird sich schliesslich nicht nur als kultureller Banause lächerlich machen, sondern auch als kleinlicher Krämer. Bezahlen würden wir das alle: alle, die wir eine Stadt schätzen, die nicht nur als Erbe überlebt, sondern: lebt! Nutzen wir also die Chance – sie hat einen Namen: Pro PROGR!

Rolf Zbinden, PdA Bern, 5.3.09 pdf